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Die Heilandskirche in Krems ist eine der drei von dem deutschen Architekten Otto Bartning in Österreich entworfenen Kirchen. Der 1913 fertig gestellte Zentralbau mit Dachreiter wirkte in jener Zeit des vorwiegend neugotischen Kirchenbaues geradezu revolutionär. Der schlichte achteckige Innenraum zeigt klassizistische Anklänge, wie dorische Säulen und Triglyphen im Gebälk. Durch die nur leicht getönten Fenster und die fein nuancierte Färbelung erscheint der Raum hell und freundlich. Die halbkreisförmige Anordnung der Sitzplätze zum Altar hin verstärkt die zentrierende Wirkung des Innenraums.
 
Der Gesamtraum soll - nach Bartning - „ein einfaches Bild der um Kanzel und Altar sich sammelnden Gemeinschaft sein, in dem die architektonische Spannung des Raumes und die liturgische Spannung des Gottesdienstes übereinstimmen". Wer in diesem Kirchenraum einem Gottesdienst beiwohnt, kann dieses Gefühl der Harmonie und Geborgenheit selbst erleben.
 
Anlässlich der Renovierung von 1985 wurde der neue Altartisch mehr ins Zentrum gerückt, flankiert von Kanzel und Taufhecken. Die Abendmahlsgäste bilden so einen Kreis um den Tisch„dahinter lädt ein Wandteppich des Kremser Künstlerehepaares Wolfsberger zur Betrachtung und Meditation ein. Ein schlichter Korpus von Friedrich Svetitsch, der vorher den Altar geschmückt hat, hängt jetzt auf der linken Seite der Empore. Orgel und Geläute der Kirche wurden in den Jahren 1972 bzw. 1974 erneuert.
 
Das an die Kirche angeschlossene Ensemble von Gemeindesaal und Pfarrhaus stammt ebenfalls aus der ursprünglichen Planung, es wurden aber einige bauliche Veränderungen durchgeführt und So der Bereich des Gemeindesaales den heutigen Bedürfnissen angepasst.
 
Das große Toleranzkreuz neben der Kirche wurde 1981 vom Stift Zwettl gestiftet zur Erinnerung an das Toleranzpatent Josephs Il. von 1781. Es ist damit auch ein Zeichen für das gute ökumenische Verhältnis zu der großen katholischen Schwesterkirche.
 
Text: Dr. Waltraute Lorenz
Bild: Martin Lorenz

 

Was wir brauchen: Die Euphorie der 1. Stunde

 

Unsere Heilandskirche wird, wie allen bekannt ist, im Jahre 2013 hundert Jahre alt. Für uns ist dieses Gebäude bereits eine Selbstverständlichkeit, die zu unserem religiösen Leben einfach dazugehört. Als mir unlängst Frau Dr. Lorenz, die Verwalterin unseres Archivs, ein Exemplar der ersten Ausgabe eines Evangelischen Gemeindeblattes aus dem Jahr 1912 zeigte, wurde mir bewusst, welche Bedeutung der Kirchenneubau damals für unsere Evangelische Gemeinde hatte.

 

Evangelische Gottesdienste in Krems fanden im 19. Jahrhundert zuerst in einem Raum des Gasthauses "Zum alten Schweden" in der Schmidgasse Nr. 3 statt. (Heute das   Geschäftslokal der  Firma  Krenneis "Landhausmoden").  Später bis 1894 in der gemieteten Kapelle des Eisentürhofs, ehe in diesem Jahr die ehemalige Andreaskapelle am Hafnerplatz erworben und in ein Bet- und Pfarrhaus umgewandelt wurde.

 

1912 wurde  sodann  mit  dem  Bau  der   Heilandskirche nach den Plänen des Berliner Architekten Otto Bartning begonnen. Aus diesem Anlass erschien im September die erste Ausgabe des "Evangelischen Gemeindeblattes".

 Pfarrer Helmuth Pommer schrieb damals:

"Ein seit Jahren, ja Jahrzehnten geplantes Werk reift der Ausführung entgegen. Wenn diese Zeilen in Deine Hände kommen, rührt sich schon Spaten und Schaufel, den Grund   für unsere Heilandskirche in Krems auszuschachten.

Nun gibt's keinen Zweifel mehr: Unsere Kirche, lang ersehnt, soll endlich gebaut werden! Wem wird das Herz nicht weit, wenn er diese Freudenkunde vernimmt?

 

Nun nicht mehr unsere Gottesdienste in qualvoll drückender Enge feiern zu müssen, nicht mehr in einem  dumpfen feuchtkalten Raum, dessen ganzer Reiz einzig in der Erinnerung mancher gesegneter Stunde, mancher lieben, erhebenden Feier liegt!

Nicht mehr uns verstecken müssen in einem Toleranzbethaus, nicht mehr vermissen müssen den Feierklang evangelischer Glocken, nicht mehr das himmelanstürmende Brausen der Orgel! Was soll ich noch sagen zum Lob und Preis unseres Kirchenbaus!"

 

Und weiter schreibt er:

"Doch mit dem Jubel allein ist es nicht getan! Nichts ist billiger zu haben als dieser. Wir müssen vor allem beweisen, dass unsere Begeisterung mehr ist als ein billiges Strohfeuer, müssen es beweisen durch die Tat. Es gilt einmal ein Opfer zu bringen, es gilt einmal nicht nur mit Worten zu beweisen, dass uns unser evangelischer Glaube wert und teuer ist!"

 

Nehmen wir uns ein Beispiel an der Aufbruchsstimmung, die damals vor 100 Jahren unter den Evangelischen von Krems herrschte und an den trotzigen Stolz, der sie beseelte. Wenn nur ein kleiner Funke davon auf uns überspringt, werden wir unser großes Vorhaben, unsere Kirche zu renovieren, auch schaffen.

 

Günther Richter