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Unsere Heilandskirche wird, wie allen bekannt
ist, im Jahre 2013 hundert Jahre alt. Für uns ist dieses Gebäude
bereits eine Selbstverständlichkeit, die zu unserem religiösen
Leben einfach dazugehört. Als mir unlängst Frau Dr. Lorenz, die
Verwalterin unseres Archivs, ein Exemplar der ersten Ausgabe
eines Evangelischen Gemeindeblattes aus dem Jahr 1912 zeigte,
wurde mir bewusst, welche Bedeutung der Kirchenneubau damals für
unsere Evangelische Gemeinde hatte.
Evangelische Gottesdienste in Krems fanden im
19. Jahrhundert zuerst in einem Raum des Gasthauses "Zum alten
Schweden" in der Schmidgasse Nr. 3 statt. (Heute das
Geschäftslokal der Firma Krenneis "Landhausmoden"). Später
bis 1894 in der gemieteten Kapelle des Eisentürhofs, ehe in
diesem Jahr die ehemalige Andreaskapelle am Hafnerplatz erworben
und in ein Bet- und Pfarrhaus umgewandelt wurde.
1912 wurde sodann mit dem Bau der
Heilandskirche nach den Plänen des Berliner Architekten Otto
Bartning begonnen. Aus diesem Anlass erschien im September die
erste Ausgabe des "Evangelischen Gemeindeblattes".
Pfarrer Helmuth Pommer schrieb damals:
"Ein seit Jahren, ja Jahrzehnten geplantes
Werk reift der Ausführung entgegen. Wenn diese Zeilen in Deine
Hände kommen, rührt sich schon Spaten und Schaufel, den Grund
für unsere Heilandskirche in Krems auszuschachten.
Nun gibt's keinen Zweifel mehr: Unsere Kirche,
lang ersehnt, soll endlich gebaut werden! Wem wird das Herz
nicht weit, wenn er diese Freudenkunde vernimmt?
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Nun nicht mehr unsere
Gottesdienste in qualvoll drückender Enge feiern zu müssen,
nicht mehr in einem dumpfen feuchtkalten Raum, dessen ganzer
Reiz einzig in der Erinnerung mancher gesegneter Stunde, mancher
lieben, erhebenden Feier liegt!
Nicht mehr uns
verstecken müssen in einem Toleranzbethaus, nicht mehr vermissen
müssen den Feierklang evangelischer Glocken, nicht mehr das
himmelanstürmende Brausen der Orgel! Was soll ich noch sagen zum
Lob und Preis unseres Kirchenbaus!"
Und weiter schreibt er:
"Doch mit dem Jubel
allein ist es nicht getan! Nichts ist billiger zu haben als
dieser. Wir müssen vor allem beweisen, dass unsere Begeisterung
mehr ist als ein billiges Strohfeuer, müssen es beweisen durch
die Tat. Es gilt einmal ein Opfer zu bringen, es gilt einmal
nicht nur mit Worten zu beweisen, dass uns unser evangelischer
Glaube wert und teuer ist!"
Nehmen wir uns ein Beispiel
an der Aufbruchsstimmung, die damals vor 100 Jahren unter den
Evangelischen von Krems herrschte und an den trotzigen Stolz,
der sie beseelte. Wenn nur ein kleiner Funke davon auf uns
überspringt, werden wir unser großes Vorhaben, unsere Kirche zu
renovieren, auch schaffen.
Günther Richter
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